Zukunftsland Sachsen: Digitalisierung und Unternehmenserfolg – Themenreise in Chemnitz

by Eva Echterhoff | November 11, 2021
Die Initiative „Zukunftsland Sachsen“ des Ministeriums für Wissenschaft, Kultur und Tourismus des Freistaats Sachsen und die Handelshochschule Leipzig (HHL) zeigt innovative, digitale Lösungen und Leuchtturmbeispiele im Freistaat Sachsen. Die Auftaktveranstaltung in Chemnitz können Sie hier nacherleben!

Wo stehen Unternehmen in Sachsen beim Thema Digitalisierung?

Die Auftaktveranstaltung der gemeinsamen Themenreise des Freistaates Sachsen und der Handelshochschule Leipzig (HHL) in Chemnitz stellte am 9. November 2021 die Frage: „Wo stehen Unternehmen in Sachsen beim Thema Digitalisierung?“.

Ziel der Auftaktveranstaltung war es, Leuchtturmbeispiele aus Chemnitz und Sachsen vorzustellen und zu zeigen, welche ersten Schritte Unternehmen aus der Region jeweils im Bereich der Digitalisierung gemacht haben, was gut funktioniert hat und wo es Herausforderungen gab.

Unternehmerinnen und Unternehmer berichteten, dass der Übergang ins digitale Zeitalter nicht mit einem Fingerschnipp geschieht, sondern dass er für viele Unternehmen eine Zeit- und Ressourcen bindende Großaufgabe darstellt, die sich allerdings nach erfolgreicher Lösung fast immer auszahlt. Mit plastischen Beispielen und Fällen aus dem Arbeitsleben verdeutlichten das die Referenten, die auf der ersten Station der Themenreise in den Hallen des „Kraftverkehr“ in Chemnitz sprachen.

Die Themenreisen

Innerhalb der Initiative Zukunftsland Sachsen findet die Studie „Digitalisierung im Sächsischen Mittelstand“ statt. Die Forschenden der Handelshochschule Leipzig (HHL) möchten verstehen, wie die Digitalisierung der klein- und mittelständischen Wirtschaft im Freistaat Sachsen voranschreitet. Ziel ist es, Veränderungen und Herausforderungen der Geschäftsmodelle und Arbeitswelten besser zu analysieren und Erfolgsbeispiele zu identifizieren. Besonderes Augenmerk liegt auf der Umsetzung des Wandels innerhalb der Unternehmen – einem für alle Teilnehmenden herausfordernden Punkt.

Mit der mehrwöchigen Themenreise „Zukunftsland Sachsen“ präsentieren Unternehmer und Wissenschaftler im November und Dezember 2021 neues Wissen, zeigen digitale Lösungen und geben konkrete Handlungsempfehlungen in den Veranstaltungen weiter. Die Teilnahme an den Events ist kostenfrei.

Alle Veranstaltungstermine auf einem Blick:

  • 11. November, Olbernhau; Fokus: Geschäftsmodelle und Wandlungsfähigkeit
  • 15. November 2021, Wilsdruff; Fokus: Digitalisierung im Handwerk
  • 23. November 2021, Görlitz (hybrid); Fokus: Zukunftstechnologien für den Strukturwandel

Weitere Veranstaltungen tba.

Die Studie der Leipziger Handelshochschule (HHL) zum Stand der Digitalisierung der sächsischen Unternehmen

Prof. Dr. Claudia Lehmann, Lehrstuhlinhaberin für Digitale Innovation an der Leipziger Handelshochschule (HHL) und wissenschaftliche Leiterin der Themenreise „Zukunftsland Sachsen“, gab den Teilnehmern einen exklusiven ersten Einblick in ihre laufende Studie zum Stand der Digitalisierung der sächsischen Unternehmen. „Unsere aktuellen Daten zeigen, dass sich die große Mehrheit der beteiligten Firmen bereits an die Aufgabe Digitalisierung gemacht hat und sich bereits 26 Prozent in der Vorreiterrolle sehen. 55 Prozent der beteiligten Firmen ordneten sich im Mittelfeld ein und nur 16 Prozent erachten sich selbst als Nachzügler.“ Die Studie läuft noch bis Ende Dezember, interessierte Unternehmer und Führungskräfte können sich weiterhin beteiligen.

„Die Digitalisierung gibt dem gewillten Unternehmer viele technische Möglichkeiten für eine starke Skalierung und tiefere Wertschöpfung in die Hand.“  – Paul Hertwig, der Geschäftsführer der N+P Informationssysteme GmbH 

Die Digitalisierung ist in den Köpfen vieler Unternehmen angekommen

Die Digitalisierung in ihren vielen Formen ist den Erkenntnissen nach in den Köpfen und Gremien vieler Klein- und Mittelständischer Unternehmen im Freistaat angekommen. Sie wird sie gleichermaßen als enorme Chance gesehen und als große Herausforderung angenommen. Das bestätigte auch Paul Hertwig, der Geschäftsführer der N+P Informationssysteme GmbH aus Meerane, der bereits eine Vielzahl von Kunden bei deren Digitalisierung beraten hat. „Mittelstand bedeutet schon lange nicht mehr Mittelmaß“.

Mit den richtigen Produkten und innovativen Vertriebs- und Verwertungsketten sowie kostenpflichtigen Services könne sich ein pfiffiger Mittelständler heutzutage eine Marktführerschaft aufbauen. „Die Digitalisierung gibt dem gewillten Unternehmer viele technische Möglichkeiten für eine starke Skalierung und tiefere Wertschöpfung in die Hand.“ Spezialist Hertwig machte allerdings deutlich, dass für derartige Product-as-a-Service-Angebote keine Digitalisierungslösungen von der Stange gäbe, dazu sei jedes Unternehmen bei Produkten, Kunden, Produktionsprozessen, Technik und Mitarbeitern einfach zu individuell aufgestellt. „Genormte Lösungen werden zwar angeboten, sie müssen aber immer für den Endkunden, in Sachsen also für Klein- und Mittelständler, konfektioniert werden, um wirklich nutzbringend zu sein.“

 

Talentfindung- und Mitarbeiterbindung mit digitalem Twist

Prof. Dr. Lars Fritzsche von imk Automotive Chemnitz zeigte in seiner Präsentation, wie dank einer konsequenten Visualisierung eines Kundenprojektes in Brasilien ein maßgeschneidertes Produkt erstellt wurde – obwohl es sprachliche und arbeitskulturelle Barrieren gab. Aber auch für die Talentfindung- und Mitarbeiterbindung habe man sich bei imk Automotive einen cleveren digitalen Twist erdacht:

„Wir geben unsere Software allerdings nicht kostenlos an Hochschulen und Forschungseinrichtungen“, sagte der Fachbereichsleiter Ergonomie. „Die Nutzer sollen schätzen lernen, welches moderne und wertvolle Arbeitsmittel wir ihnen zur Verfügung stellen. So schulen wir die Studierenden und Forschenden direkt an unseren Produkten und finden so im Rekrutierungsprozess schnell zu potenziellen künftigen Mitarbeitern“, erläuterte Fritzsche. Oder auch Neukunden, wenn die Absolventen unsere Lizenzen in ihren eigenen neuen Firmen anwenden.

Schauen Sie sich jetzt den Eventbericht aus Chemnitz an!

Digitale Start-ups in Sachsen auf der Überholspur

Dass auch klassisch-analoge Unternehmen wie der namhafte Stift- und Farbenhersteller Edding dank digitaler Lösungen als Investor und Partner ins Boot geholt werden können, erklärte Dr. Karin Weigelt von der Chemnitzer Prismade Labs GmbH. Zusammen mit dem weltweit bekannten Hersteller aus Schleswig-Holstein hat das digitale Start-up einen transparenten, klebbaren Kontrollchip für offizielle Dokumente und Identifikationskarten namens Prisma ID entwickelt.

„Wir kamen mit der Innovationsmanagerin von Edding ins Gespräch, fanden schnell Anknüpfungspunkte und entwickeln seit 2017 Produkte im gemeinsamen FutureLab. Schnell wurde dabei klar, dass zwei komplett verschiedene Unternehmenskulturen aneinander reiben“, so Weigelt. Digitale Produktentwicklung sei von Haus aus als Zwei-Wege-Kommunikation gedacht. „Das bedeutet Aufgeschlossenheit und Lernbereitschaft beim Erreichen des gemeinsamen Ziels, für beide Seiten.“ 

 

„Wichtig ist es sich zu fragen: Wo liegen unsere eigenen Schwierigkeiten und was soll mit der Digitalisierung erreicht werden?“ – Johannes Graf, Produktions- und Vertriebsleiter der Chemnitzer richter & heß Verpackungsservice GmbH

Johannes Graf, Produktions- und Vertriebsleiter der Chemnitzer richter & heß Verpackungsservice GmbH, machte deutlich, dass sich Unternehmerinnen und Unternehmer vor dem Start in die Digitalisierung bewusst sein müssten, dass es dabei kein Ende gäbe. „Wichtig ist es sich zu fragen: Wo liegen unsere eigenen Schwierigkeiten und was soll mit der Digitalisierung erreicht werden?“

Den Spaß an der Sache dürfe man auch nicht vergessen: Nicht jeder Mitarbeiter kann oder will mit diesen Themen erreicht werden, so Graf. „An einigen unserer fünf mittelsächsischen Standorte herrscht ein wehmütiger Blick zurück ins Gestern, einigen Mitarbeitern in der Produktion fällt es nicht leicht, sich mit dem Morgen anzufreunden.“ Oft schwinge auch die Angst um den eigenen Job mit. Viele könnten jedoch überzeugt werden, wenn sie live erlebten, wie die Digitalisierung ihren Arbeitsalltag erleichtere und die Produktpalette vergrößere: „Dauerte der Entwurf einer neuen Verpackung mit den herkömmlichen Methoden zwei bis drei Tage, so kreieren wir dank digitaler Lösungen ein präsentierbares Produkt samt Produktions- und Lieferdaten in nur wenige Stunden“, sagte Graf. „Mehr individuelle Verpackungen für unsere Kunden bedeuten auch sicherere Arbeitsplätze für die Kollegenschaft.“   

Einzige Gefahr bei der Digitalisierung ist, sie zu verschlafen

Nach den sehr interessanten Ausführungen der vier Referenten kamen Teilnehmer und Experteninnen im „Kraftverkehr“ noch tiefer miteinander ins Gespräch: Weitere Treffen, Erfahrungsaustausch und gemeinsame Projekte stehen möglicherweise bald an. Eines wurde in allen Gesprächen nach der erfolgreichen Premierenveranstaltung von „Zukunftsland Sachsen“ immer wieder festgestellt: Die einzige Gefahr, die bei der Digitalisierung offenbar besteht ist, sie zu verschlafen.