Sommerzeit ist Urlaubszeit. Doch Svenja Klups sieht das anders. Die Studentin der Handelshochschule hat die sechs Wochen, die ihr bis zum Beginn ihres Auslandsstudiums in Costa Rica noch blieben, für ein Praktikum bei Swarovski in Österreich genutzt. Der Titel der Campus-Serie „Das sind meine Semesterferien” müsste in ihrem Fall lauten: „Das sind keine Semesterferien”.
Wer den Namen Swarovski hört, denkt an Schmuck, Uhren, edle Kristalle. Doch Swarovski hat mehrere Sparten. Eine davon ist die Optik-Abteilung. Sie stellt Ferngläser, Teleskope und Zielfernrohre her. „Ich komme aus einer Jäger- und Schützenfamilie”, sagt Svenja, die einen Jagdschein besitzt und als Sportschützin aktiv ist. „Viele Produkte der Firma für die Jagd kannte ich schon lange.” Daher lag es für sie nahe, bei Swarovski-Optik ein Praktikum zu absolvieren.
Die komplizierte Umsetzung einer Werbekampagne
Fernrohre hatte Svenja während der anderthalb Monate in der Firmenzentrale in Absam bei Innsbruck aber nur selten in der Hand. Die Management-Studentin der Handelshochschule Leipzig (HHL) arbeitete in der Abteilung für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit mit. Sie entwarf und betreute Anzeigen, Kataloge und Messepräsentationen. So erlebte sie, wie gründlich eine Werbekampagne vorbereitet werden muss - vor allem, wenn Inserate international in verschiedenen Sprachen erscheinen sollen. „Wir mussten die Anzeige übersetzen lassen, die Übersetzung überprüfen und alles mit unseren Standorten in den betreffenden Ländern abstimmen”, berichtet Svenja, die aus Herne im Ruhrgebiet stammt.
Die 24-Jährige durfte selbstständig arbeiten und Ideen einbringen. „Es war eine sehr lehrreiche Zeit”, sagt Svenja. Das Praktikum hat bei ihr Lust geweckt auf einen Job im Marketing-Bereich. Auf eine Branche möchte sie sich allerdings noch nicht festlegen, das hat keine Eile. 2012 will Svenja ihr Studium abschließen, und das gleich doppelt. Neben dem Master an der HHL strebt sie einen weiteren in Costa Rica an, wo sie sich seit Ende August aufhält.
Koffer auspacken, Koffer einpacken
Für die Umstellung auf einen anderen Kontinent, eine andere Sprache und eine andere Kultur nahm sich Svenja nur zwei Tage Zeit. „Am Freitag bin ich von Österreich nach Leipzig gefahren, habe schnell die Koffer umgepackt, am Sonntag ging der Flieger ab Frankfurt.” Ihre Seminare an der Incae Business School in der Nähe der Stadt Alajuela im Zentrum Costa Ricas haben bereits begonnen. Svenja belegt verschiedene Wirtschafts- und Politikkurse. Einige ungewöhnliche sind dabei, in denen die Studenten lernen, ihren Einfluss im Arbeitsleben zu erhöhen und sich durchzusetzen. Durchsetzungsvermögen ist auch in den Unterrichtsstunden gefragt. „Hier wird viel mehr diskutiert als in Leipzig, jeder kommt dran.”
Bisher hat Svenja nur auf Englisch diskutiert, die Kurse auf Spanisch beginnen später. „Mal schauen, wie weit die Sprachkenntnisse reichen.” Das Semester ist mit zwei Monaten sehr kurz, die Leipzigerin wird anschließend schon wieder umziehen - wenn auch nur innerhalb Mittelamerikas. „Es folgt ein Projekt, bei dem wir Studenten Unternehmensberater spielen, entweder in Honduras oder in Panama.” Im Januar kehrt Svenja nach Leipzig zurück. Abschiedsschmerz muss sie nicht haben, im Frühjahr 2012 absolviert sie ein weiteres Semester in Costa Rica, um den dortigen Abschluss zu erreichen. Eine angenehme Perspektive, denn der Pazifik ist nah, Svenja hat ihr erstes Wochenende am Strand verbracht - und sich gleich einen Sonnenbrand eingefangen. „Die Sonne ist hier viel stärker.” Das klingt dann doch nach einem Hauch von Ferien.
Der Autor Johannes Pöhlandt ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt der LVZ und des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig.
Fotos: privat
© LVZ-Online, 06.09.2010, 19:21 Uhr
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