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10.11.00 09:07

Baggern um das Geld

Allein haben High-Tech-Startups wenig Chancen, ihre Pläne zu verwirklichen. Netz-werke bringen sie mit Beratern und Geldgebern ins Gespräch.
 
Diesem Ansturm ist selbst die Leipziger Moritzbastei kaum gewachsen: 300 zumeist junge Leute drängen in den Oberkeller der mittelalterlichen Wehranlage. Am Eingang kann jeder Teilnehmer hinterlassen, wer er ist, was er vorhat und welchen Partner er sucht. Verschiedenfarbige Sticker erleichtern die Orientierung. Und für ungestörte Unterhaltungen stehen Separees zur Verfügung.
Was an diesem Oktoberabend unter dem Titel „Accelerate Network Event“ in Leipzig Premiere feiert, ist jedoch keine Flirtparty für einsame Herzen. Die Initiatoren von der Handelshochschule Leipzig (HHL) und der Mitteldeutschen Venture Capital AG (MVG) wollen vielmehr Geschäftsideen, unternehmerisches Know-how und Risiko-kapital miteinander „verkuppeln“.
Solche Netzwerke sind eine Form der Wirtschaftsförderung, die sich gerade in der New Economy bewährt hat: Die Initiative „First Tuesday“ beispielsweise, von vier Londoner Studenten 1998 ins Leben gerufen, lädt an jedem ersten Dienstag im Mo-nat, wie der Name schon sagt, die Internet-Gründerszene dazu ein, sich an über 80 Orten der Welt zu treffen, darunter auch mehrere deutsche Städte. Die Bewegung verhalf so nach eigenen Angaben Entrepreneuren zu mehr als 100 Millionen Dollar Risikokapital.
Der „Erste Dienstag“ ist inzwischen nur noch ein Termin unter vielen. So unterstützt das Bundesforschungsministerium mit seinem Programm „Exist“ Startup-Netzwerke an fünf Hochschulen. In vielen Regionen und größeren Städten entstanden Projekte wie HAT-Net („Hochtechnologie-Netzwerk“ Thüringen) oder die Hamburger Existenz-gründerinitiative Hep. Und die Brancheninsider schaffen sich eigene Strukturen, wie den „Online-Stammtisch Netzblicke“ und den „Förderkreis Internet-Wirtschaft Mün-chen“ /FIWM) in der bayerischen Landeshauptstadt.
Zu den regelmäßigen Nutzern dieser Angebote zählt Ralph-Ulrich Glasow, Ge-schäftsführer der +49jobs GmbH, der eine neuartige Plattform für Stellenangebote schaffen will. Glasow glaubt: „Das Miteinander-im-Gespräch-bleiben ist für Unter-nehmen im High-Tech–Bereich existenznotwendig.“ Die New Economy sei schnellle-biger als etablierte Wirtschaftszweige. „Wer da Trends erkennen will, muss das Ohr an der Masse haben“, begründet er, warum Netzwerke für die New Economy noch wichtiger sind als für traditionelle Firmen.
Zudem stießen gerade Gründer im Online- oder Biotech-Sektor auf Probleme, für die es weder Gesetze noch Lehrbücher gebe. „Wer sich da nur auf sich selbst verlässt, wird auf Dauer wenig Freude haben“, ist er überzeugt.
Auch um den meist beträchtlichen Bedarf an Beteiligungskapital zu decken, brau-chen Startups persönliche Kontakte: „Es macht wenig Sinn, einen Businessplan ein-fach an eine Venture-Capital-Gesellschaft zu schicken“, erklärt Bernhard Klapproth, Vorstandsvorsitzender der MVC. „Denn für den Kapitalgeber ist die Person, die hinter einer Idee steht, mindestens ebenso wichtig wie die Idee selbst.“ Der Weg zur Betei-ligung führt deshalb fast immer über das persönliche Gespräch.
Diesen so wichtigen ersten Schritt zu erleichtern und die Akteure der High-Tech-Szene in Mitteldeutschland zusammenzubringen, waren auch die ausschlaggeben-den Ziele zur Gründung des Accelerate Network. Die Teilname ist, wie bei den mei-sten Angeboten dieser Art, kostenfrei – dank engagierter Studenten der ersten ost-deutschen Privatuniversität und potenter Geldgeber wie MVC, Arthur Andersen und MLP Finanzdienstleistungen. „Das Innovative am Accelerate-Network ist unser Matching-System“, Beispiel die Geschäftsidee, erklärt MVC-Pressesprecher Lars Hanf, der das erste der regelmäßig geplanten Treffen in Leipzig mit organisierte: „Wir erfragen vorab von Startups die Branche und den Kapitalbedarf, von Investoren unter anderem den Branchenfokus und das Finanzierungsvolumen. „
Um auch zwischen den vierteljährlichen Events gezielt Kontakte knüpfen zu können, erhielten die Teilnehmer schon wenige Tage nach dem Auftaktabend eine E-Mail mit der Liste potentieller Ansprechpartner. Denn im Gedränge bei der Premiere hatten viele Probleme, den mit Hilfe der Datenbank ermittelten Gesprächspartner auch tat-sächlich zu finden.
Hier könnten künfitg so genannte Flirtgettys weiterhelfen. Die kleinen Geräte lassen sich mit den Eigenschaften des Trägers und des Traumpartners füttern und geben Laut, wenn Gleichgesinnte sich auf weniger als fünf Meter nähern. Bei echten Flirt-partys hat sich diese Technik bereits bewährt.
 
Contact:

HHL - Leipzig Graduate School of Management

Volker Stößel, MBA

Head of Communication

Tel: +49 341 9851-614

Fax: +49 341 9851-615

E-mail: volker.stoessel@hhl.de