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Category: Meldungen
06.02.00 09:19

StiftungUsertest

Leipziger Studenten haben einen Verbraucherservice irn Internet gegründet: ein interaktives Meinungsbarometer
 
Welches Buch kann ich an einem verreg-neten Wochenende lesen? Welche CD brin-ge ich zur Party mit? Welchen Wein trinke ich zum Sauerbraten? Und wie ist die neue Ausstellung im Hamburger Bahnhof? Was Sie schon immer über die Freuden des Le-bens wissen wollten, sich aber nicht zu fragen trauten oder nicht wussten, wen Sie fragen sollten: jetzt gibt es Hilfe für alle Lebenslagen. Amiro heißt das Zauberwort. Oder besser www.amiro.de. Ein Meinungs-forum im Internet. Jeder kann Mitglied wer-den und seine Meinung zu Kinofilmen, Ka-meras, Handys und Urlaubszielen abgeben. Ein Verbrauchertest im Netz, von Verbrau-chern für Verbraucher.
Während die Anbieter ihre Produkte in der Werbung in den schillerndsten Farben feilbieten, beraten sich die Konsumenten bei amiro untereinander. Die Idee stammt aus den USA. Weiterentwickelt wurde sie von zwei Teams, vier Wirtschaftsstudenten aus Köln und vier aus Leipzig, die sich dann un-ter amiro.de zusammengeschlossen haben. Katrin Luger ist die einzige Frau im Leipziger Gründungsteam von amiro: "Deutschland hat 80 Millionen Einwohner und jeder ist auf mindestens einem Gebiet Experte. amiro soll eine Plattform bieten, um allen für ihre Produkte eine bestimmte Bewertung und Einschätzung zu bieten!'
Der ganze Spaß ist nicht nur kostenlos, man kann auch noch Geld mit seinen Beur-teilungen verdienen. Wer seine Meinung zu einem Produkt abgibt, der bekommt jedes Mal, wenn diese Meinung von anderen gele-sen wird, 10 Pfennig. Das hört sich auf den ersten Blick wenig an, aber es geht schnell, bis so die eine oder andere Mark auf dem Konto des Benutzers gutgeschrieben wird. Hinter dem Namen amiro verbergen sich neben Katrin Luger, Rolf Schrömgens, Ste-phan Stubner und Peter Vinnemeier. Alle vier sind Absolventen der Handelshoch-schule Leipzig (HHL).
 
Idee lockt Investoren
 
Auf die Ideen der Jung-Unternehmer set-zen auch die Investoren. Sogenannte Busi-ness Angels" (private Risikokapitalgeber) oder "Venture Capital-Untemehmen"(insti-tutionelle Geldgeber) sorgen neben der Werbung auf den einzelnen Internetseiten für die Finanzierung. Die Unabhängigkeit des Meinungsforums steht deshalb aber nicht auf dem Spiel. Unabhängigkeit ist im Gründungsvertrag festgeschrieben. Wir ha-ben inzwischen über 10 000 Nutzer, die die unterschiedlichsten Produkte bewerten. Es ist kein Produkt ausgeschlossen, so dass ein breites Spektrum entstehen kann", erläutert Stephan Stubner. Die Verbrauchermeinun-gen bei amiro stehen auf der einen, die ver-gleichenden Warentests nach wissenschaftlichen Methoden auf der anderen Seite. Für letztere sind die Experten der Stiftung Wa-rentest zuständig.
Wolfgang Springbern, Pressesprecher der Stiftung Warentest Berlin, sieht in solchen interaktiven Meinungsforen wie amiro kei-ne ernsthafte Konkurrenz: "Die Beurteilung eines Produkts durch Einzelstimmen ist äu-ßerst mühsam. Man kann nie wissen, wie qualifiziert die Bemerkung zu dem jeweiligen Produkt ist. Eine schnelle und fundierte Kritik ist nicht möglich, weil man das Pro-dukt aufgrund des fehlenden Vergleichs nicht einordnen kann!' Außerdem sei bei Organisationen wie amiro immer die Gefahr der Manipulierbarkeit gegeben.
Davon ist auch Helga Kuhn von der Ar-beitsgemeinschaft der Verbraucherverbän-de (AgV) in Bonn überzeugt. Die "interes-sengeleiteten Meinungen" stellen für sie die größte Gefahr dar. Wie kann man sich bei amiro davor schützen, dass nicht die ganze Belegschaft einer Firma dazu verdonnert wird, im interaktiven Forum eigene Produk-te anzupreisen? Die Qualität der Meinungen soll dadurch gewährleistet werden, dass die Nutzer sie untereinander bewerten. Katrin Luger: "Ich kann sagen, dass ich die Mei-nung von User xy sehr nützlich oder über-haupt nicht nützlich finde. So entstehen Ranglisten, in denen nur die für nützlich be-fundenen Meinungen weiterkommen, ein Netz des Vertrauens!' jeder Nutzer könne andere zu "Usern des Vertrauens" machen. Das bedeutet, dass diese Meinungen dann immer ganz oben auf der Seite angezeigt werden. Luger: "Ich interessiere mich zum Beispiel am meisten für Reisen und Kinofil-me. Jetzt sehe ich, dass User xy Bewertun-gen zu genau diesen Themen geschrieben hat Er. hat also die gleichen Interessen wie ich, das bedeutet, dass ich ihn zum Nutzer meines Vertrauens ernennen kann!'
 
Für Katrin Luger liegt hierin der Vorteil des basisdemokratischen Meinungsforums. Für sie legen Experten bei traditionellen Produkteinschätzungen lediglich normative Richtwerte fest, die aber noch lange nicht den persönlichen Präferenzen entsprechen müssen. "Expertenmeinungen wie auch den Laienbeurteilungen wird ein immer größe-rer Stellenwert beigemessen." Tipp: vorm nächsten Einkauf bei amiro.de vorbeischau-en und lesen, was andere verbraucht haben.
Contact:

HHL - Leipzig Graduate School of Management

Volker Stößel, MBA

Head of Communication

Tel: +49 341 9851-614

Fax: +49 341 9851-615

E-mail: volker.stoessel@hhl.de


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